Es fällt vielen schwer, dreidimensional zu denken, sich Objekte pastisch vorzustellen und diese dann auch noch umzusetzen. Schwer genug ist es beim Modellieren mit Ton, Plastillin etc, dort kann man sowohl wegnehmen als auch drankleben. Schwieriger wird es bei Materialien, bei denen man NUR wegnehmen kann, wie Stein, Gips und ähnlichen Materialien.
Während meiner Ausbildung zum Steinmetz habe ich ein paar gute Tipps gelernt, die ich gerne weitergeben möchte. Und gerade mit dem Material Schaumstoff, welches recht einfach zu bearbeiten ist und wo man zur Not auch mal etwas falsch abgeschnittenes wieder dran kleben kann, fällt es vielleicht dem ein oder anderen vielleicht weniger schwer als mit Speckstein und Co
Ich nehme als Beispiel eine Helmzier, die ich für einen Ning-User machen durfte. Am Anfang steht natürlich die Skizze:
Eine technische Zeichnung, wenn auch grob gehalten, ist von Vorteil. Macht man, wie hier die Zeichnungen angeordnet, eine Seitenansicht, eine Frontansicht und eine Draufsicht, kann man die einzelnen Punkte durch waagrechte und senkrechte Linien einfach festlegen und somit Größe, Breite und Fixpunkte wie Nase, Augen etc. leicht festlegen.
Teile dieser technischen Zeichnung können anschließend auch gut als Schablone verwendet werden. Hier wurde 20er-Matte verwendet und entsprechend der Höhe die benötigte Anzahl der "Scheiben" errechnet, aufgemalt und ausgeschnitten. Besser 0,5-1cm dazu geben, weg is schnell was, und wenn man später, wie hier, Struktur wie Fell einarbeiten will, empfielt sich das besonders - sonst wäre der Bär zB. recht dünn
Der Einfachheit halber habe ich hier die Arme noch weggelassen, die kann man später sehr einfach auf die selbe Art fertigen und ankleben...
Scheiben aufeinander kleben - hier sieht man schon einen weiteren Grund, warum man zu der Schablone etwas Rand lassen sollte, denn super sauber beim Schneiden und Kleben ist kaum einer
Um sich die Arbeit etwas einfacher zu machen kann man nun den Block ein bißchen begradigen, da aber eh viel ab muss, kann man das auch für die nächsten Schritte aufsparen.
Die nächste Schablone wird verwendet - die Seitenansicht wird gerade durch den gesamten Block gearbeitet, so dass man ein sauberes, gleichmäßiges Profil hat.
Das selbe wird von vorne wiederholt, nun wird es ein bißchen schwerer, weil man keine wirklich gerade Fläche zum Anzeichnen mehr hat. Da hilft nur Schablone auflegen und möglichst gerade von oben nach unten peilen. Aber keine Angst, wenn der Strich mal um einen halben oder sogar einen ganzen Zentimeter daneben geht, sieht man das entweder nicht oder man kann es später nachkleben. Ist ja kein Bauteil, welches passgenau sein muss :P
Nun hat man dieses Schachfiguren-ähnliche Dingends. Jetzt kommt der schwierigere Teil - grobe Formen einarbeiten. Viele machen den Fehler, an einem Teil einer Figur anzufangen und bereits hier Details zu schnitzen und sich von dort aus langsam weiter zu arbeiten. Auch beim Zeichnen ist das eine Vorgehensweise, die oft zu falschen Proportionen führen kann - wer kennt sie nicht, die Bilder von Menschen, deren Beine viel zu kurz sind, weil plötzlich das Papier zu Ende war .
Back 2 Topic: Grobe Formen schnitzen:
Bei der weiteren Vorgehensweise ist nun doch ein bißchen Gespür gefragt. Helfen tut da nur der Gedanke: Weniger ist mehr, und was ab ist, ist ab
{{http://img818.imageshack.us/img818/5766/img0029kg.jpg}
Die Arme wurden mit nur einer Schablone erstellt, natürlich kann man wieder drei Ansichten machen, wenn man auf Nummer sicher gehen will
Beim Arme-Ankleben kann man noch mal ein bißchen mit den Positionen rumspielen - in echt sieht nicht alles so aus wie auf der Zeichnung.
Kleine Details können später angeklebt werden. Auch wenn der Winkel oder die Position eines Gliedmaßes nicht ganz stimmt, oder (wie in diesem Beispiel) der Hals zu kurz ist, scheut euch nicht, an den erforderlichen Stellen Keile heraus zu schneiden und neu zu kleben oder anders herum Keile zum verbreitern / verlängern einzukleben! Achtet nur ein wenig darauf, dass der Schaumstoff nicht zu sehr unter Spannung steht und dass auch keine zu großen Hohlräume entstehen, beides sind potentielle Gefahrenquellen für Risse und sich lösende Klebestellen, wenn auch nur gering (aber warum das Risiko eingehen, wenn man einfach nur ein bißchen ordentlich arbeiten muss
).
Nun wie gewohnt schleifen, latexen oder (wie hier) mit Pattex bestreichen und bemalen.
Die fertige Helmzier:
Viel Erfolg bei euren Basteleien!
